⁥Eppinger Linie und Pfälzer Erbfolgekrieg als touristische Highlights – OB beantwortete CDU-Anfragen⁥

09.07.2026

„Ein neuer Flyer ist angedacht, dieser konnte aber noch nicht fertiggestellt werden, da die Kunstwerke von noch nicht wieder alle angebracht sind. Auch Mühlacker fehlt hier noch. Teilweise ändern sich auch die Standorte der Kunstwerke.“ Man rechne aber damit, dass bis zum Sommer alle Kunstwerke an Ort und Stelle seien.

Mühlacker. Eppinger Linie und Pfälzer Erbfolgekrieg, letzterer 1688 bis 1697, gehören zusammen und ließen sich auch touristisch sowie lokalgeschichtlich nutzen. Mühlackers Oberbürgermeister Stephan Retter findet Gefallen an einer solchen Idee, ist seiner Antwort auf eine Anfrage des Vorsitzenden der CDU-Gemeinderatsfraktion, Günter Bächle, zu entnehmen. Nach einer Mitteilung der Fraktion war der Anstoß von Wolfgang Rieger vom Historisch-archäologischen Verein Mühlacker (HAV) gekommen.

Der Dürrmenzer Wolfgang Rieger erlebte jüngst in Breitnau im Südschwarzwald in zirka 1100 Höhenmeter, nahe des Feldbergs, die Einweihung eines Türkenlouis-Pfades mit einer nachgebauten Redoute. Er war angetan von dem dort betriebenen Aufwand zum Thema Pfälzer Erbfolgekrieg und erinnerte in Schreiben an die Gemeinderatsfraktionen, dass dies auch ein grenzüberschreitendes Thema für Mühl-acker sein könne. Denn ein ähnlich eindrucksvoller Weg existiere zwischen Maulbronn und Niefern. Im Nieferner Tannenberg sei noch eine gut erhaltene Redoute im Umriss zu sehen ähnlich dieser in Breitnau.

Dabei sei der Abschnitt zwischen Lomersheim, Pinache und Niefern landschaftlich besonders eindrucks-voll, aber der Zugang schlecht beworben, so Rieger. Immer würden interessierten Wanderer fragen, wo denn hier die Eppinger Linie zu finden sei. Landschaftlich und geschichtlich seien es sehr eindrucksvolle Wege mit schönen Weitsichten in den Tal- und Höhenwegen - alte Mischwälder und karge Kalkhöhenla-gen.

Als besonders reizvoll könnten folgende Abschnitte beworben werden, wie Wolfgang Rieger darlegte:
1. Maulbronn - Sternenschanze Ötisheim (Tafel) – Kunstinstallation Bahnhof Mühlacker
2. Mühlacker Heimatmuseum (Weg mit mehreren Tafeln) – Löffelstelz (EL-Tafel) – Lomersheim Burgstumpen (EL-Tafel)
3. Lomersheim (Fußballplatz) – Pinache E-Umspanner (EL-Tafel). Der Zugang sei jedoch änderungsbe-dürftig,
4. Pinache – Tannenberg Niefern (2 EL-Tafeln u. Redoute)
5. Tannenberg Niefern – Niefern (Chartaque wie beim Sauberg.

Der Vorsitzende der CDU-Frakltion griff das Thema auf, zumal auf dem Sauberg auf Markung Lienzingen, oberhalb von Ötisheim, die Stadt Mühlacker vor Jahren einen Verteidigungspunkt der Eppinger Linie re-konstruieren ließ unter anderem mit einer hölzernen Chartaque. In seiner Gemeinderatsanfrage regte Bächle an, die teilweise vorhandene gemeindeübergreifende Arbeit an diesem Projekt zu verstärken. „Gibt es dazu im Landratsamt, der Stadtverwaltung Mühlacker oder bei Kraichgau-Tourismus Überlegun-gen? Koordiniert dies jemand?“ Es wäre, so Rieger, ein touristisches „Highlight“ (Natur und Geschichte): „In Lienzingen ist dieses Thema durch Roland Straub in ein großes Filmprojekt eingebunden. Hoffen wir, dass es erfolgreich wird!“

Dagegen wäre die touristische Aufarbeitung finanziell deutlich geringer. Der genannte Abschnitt, so OB Retter, werde durch die „Zeigmal-App“ von Kraichgau Stromberg Tourismus e.V., zum Beispiel bei Komoot, sowie vom Naturpark Stromberg Heuchelberg beworben. Auch die Stadt Mühlacker mache da-für Reklame unter anderem bei Social Media, so mit dem Beitrag zum „Tag des Wanderns“. Laut Retter ist ein neuer Flyer ebenfalls in Planung. Der Löffelstelzweg werde ebenfalls durch den eigenen Flyer und durch verschiedene Plattformen beworben. „Bezüglich der Wegeführung vom Bahnhof Richtung Nie-fern-Öschelbronn, werden wir auf das Landratsamt beziehungsweise die anderen Anrainerkommunen zugehen, um eine optimale Ausschilderung und Bewerbung zu erreichen.“ Die Bewerbung könne erst nach einer geprüften Wegeführung und Beschilderung angegangen werden.

Der Oberbürgermeister berichtete, bestehende Flyer der Stadt würden momentan verstärkt auf inhaltli-che Aktualität geprüft werden. Flyer und sonstige Werbematerialien, welche von ihrem Informationsge-halt klar veraltet seien, würden konsequent aussortiert und – sofern die inhaltliche Federführung bei der Stadtverwaltung liege und eine Neuauflage für sinnvoll erachtet werde – aktualisiert und neu aufgelegt. Bei dieser Entscheidung geht es aber vor allem um inhaltliche Kriterien. Graphische Elemente, wie zum Beispiel die Verwendung des neuen Logos „Senderstadt“, seien sekundär zu betrachten.

Speziell zum Eppinger Linienweg hatte der Fraktionsvorsitzende im April in einer ersten Anfrage nach Hinweisen des Vorsitzenden des Heimatvereines Lomersheim, Achim Händle, auf Mängel in der kartogra-fischen Aufarbeitung der historischen Verbindung hingewiesen. Schon heute gebe es auf der Homepage der Stadt nur noch einen Link auf den historischen Weg - und da sei die Beschreibung auch noch um 180 Grad gedreht, sowie einen Link auf Wanderbares Deutschland. „Auf beiden Seiten endet der Eppinger Linien Weg in Mühlacker am Bahnhof.“ Auf der Enzkreisseite finde sich kein Verweis auf die Eppinger Li-nie.

Auch da reagierte der OB positiv, so die Information der CDU-Fraktion. „Wir haben diesbezüglich beim Naturpark Stromberg Heuchelberg nachgefragt und mitgeteilt, dass der Flyer falsch herum ist. Die Ant-wort aus Bretten: „Ein neuer Flyer ist angedacht, dieser konnte aber noch nicht fertiggestellt werden, da die Kunstwerke von noch nicht wieder alle angebracht sind. Auch Mühlacker fehlt hier noch. Teilweise ändern sich auch die Standorte der Kunstwerke.“ Man rechne aber damit, dass bis zum Sommer alle Kunstwerke an Ort und Stelle seien. Dann könnten auch Bilder gemacht und der neue Flyer produziert werden.“ Zudem werde dann auch die „zeig.mal“-App angepasst. Hier wird der Weg ebenfalls geführt.

 
Bezüglich der Streckenführung vom Bahnhof Mühlacker Richtung Pforzheim, habe noch keine Antwort gefunden werden können. Ob diese Route aus touristischer Sicht noch existiere und wer diesen Weg pfle-ge, sei unklar. Um einen Wanderweg auszuweisen, werde auch eine Qualitätssicherung benötigt. „Nichts führt zu mehr Unmut wie nicht gut ausgeschilderte Routen“, betonte Retter.

Info:

Der französische König Ludwig XIV. (genannt der „Sonnenkönig“) erhob Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz. Diese war mit dem Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder des Son-nenkönigsverheiratet. Aus diesem Konflikt entstand der Pfälzische Erbfolgekrieg. Die Eppinger Linien wurden in den Jahren 1695 bis 1697 unter dem Markgrafen Ludwig-Helmut von Baden auch Türkenlouis genannt. Kaiser Leopold übertrug 1693 das Oberkommando an Ludwig Wilhelm von Baden, den „Türkenlouis“. Dieser ließ zwischen Pforzheim und Neckargemünd eine Verteidigungslinie errichten, die möglichst leicht und mit geringen Truppen zu verteidigen war – die Eppinger Linien. Damit sollte der Kraichgau als Einfallspforte zwischen Schwarzwald und Odenwald geschlossen werden. Unter Ausnutzung natürlicher Hindernisse wurde ein zirka 40 Meter tiefer Verhack aus übereinander gefällten Bäumen, ein etwa 2,5 m tiefer Graben sowie mit dem Aushub auf der feindabgewandten Seite ein Erd-wall mit Palisaden angelegt. Wachtürme (Chartaquen) und Artilleriestellungen sorgten für zusätzlichen Schutz.

Der Frondienst für den Ausbau der Anlage musste unter Androhung drastischer Strafen von der Bevölke-rung geleistet werden: Zu großen Teilen von Menschen, die vor der Verteidigungslinie lebten. Die Bevölke-rung litt enorm unter den Fronpflichten der arbeitsfähigen Männer. Schätzungen gehen von zirka 350.000 Schanztagen aus – Arbeitskraft, die auf den Feldern fehlte. Armut und Hunger folgten.

Das gesamte unter dem Türkenlouis errichtete Verteidigungssystem umfasst nicht nur die Eppinger Linien zwischen Neckargemünd und Pforzheim-Dillweißenstein, sondern setzt sich als Schwarzwaldlinien ent-lang des westlichen Schwarzwalds bis an den Hochrhein fort. Mit ihrer Ausdehnung vom Neckar bis zum Südschwarzwald zählen die Schanzanlagen zu den größten Bodendenkmälern Baden-Württembergs. Innerhalb Baden-Württembergs sind sie etwa länger als der obergermanisch-rätische Limes in diesem Gebiet. (https://www.naturpark-stromberg-heuchelberg.de/erleben/wandern/eppinger-linien-weg)

Eppinger Linie und Sternenschanzezoom
Eppinger Linie und Sternenschanze
 

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